Vor meiner Geburt
 
     
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Wie ich entstanden bin...
(so habe ich es meiner Oma erzählt)
 

Hallo Leute!

Nun wo ich geboren bin kann mich jeder sehen und an meinem Leben teilnehmen - aber ich möchte euch heute von der Zeit davor erzählen.

Bereits im Dezember 2003 war ich in Amerika, sozusagen als blinder Passagier, denn ich war ein ganz kleiner Punkt in der Gebärmutter meiner Mama. Sie selbst wusste zu dem Zeitpunkt gar nicht, dass sie nicht allein in den Urlaub geflogen ist und das wollte ich ändern. Es ist ja auch blöd, wenn man eigentlich da ist und keiner nimmt Notiz davon, oder?

Als wir also in Amerika waren, wollte ich auf mich aufmerksam machen. Das war gar nicht so einfach. Ich konnte mich bewegen wie ich wollte, keine Hand streichelte den Bauch, in dem ich war. Also musste ich mir etwas anderes überlegen. Und wollt ihr wissen, auf was für eine Idee ich da gekommen bin? Ganz einfach - ich schickte einfach eine Nachricht an das Gehirn meiner Mama und ließ von dort veranlassen, dass es ihr ganz übel wurde, wenn sie etwas zu essen sah. Nicht genug damit - ich ließ auch ständig Hunger entstehen.

Und so wurde der Urlaub für meinen Papa, sowie Tante Dörte und Onkel Oli nicht so ganz einfach. Meine Mama war ständig am jammern, mal hatte sie Hunger, dann war ihr wieder schlecht und ich glaube, so ganz langsam hat meine Mama registriert, dass da vielleicht etwas in ihr ist. Und wollt ihr wissen warum ich mir da ziemlich sicher bin? Nun - manchmal strich ihre Hand über den Bauch und ich merkte ihre Frage...

Das hat gut getan - endlich schenkte man mir auch ein wenig Aufmerksamkeit. Es konnte ja auch nicht angehen, dass man mich einfach nicht bemerkt.

Dann war der Urlaub für meine Mama und mich zu Ende und wir flogen zurück nach Frankfurt. Mein Papa und die anderen blieben da, was ich schon komisch fand. Aber dann fiel mir wieder ein, dass ja meine Mama und ich auch allein hingeflogen waren. In Frankfurt wurden wir von der Mama meiner Mama abgeholt und so lernte ich meine Oma kennen. Aber nur ganz kurz, denn Mama war furchtbar müde und wollte nur nach Hause und schlafen.

Am nächsten Tag, es war ganz kurz vor Weihnachten, hat meine Mama einen Test gemacht, der ihr bestätigt hat, dass sie nicht mehr allein war. Ich bin ganz sicher, dass sie sich furchtbar gefreut hat.

Dann hatten wir zwei ganz stressige Tage. Es musste ja noch so viel für Weihnachten eingekauft werden. Meine Mama und ihre Mama haben sich zum Einkaufen getroffen. Das war gar nicht lustig. Ständig sind sie hin und her gelaufen und ich kamen gar nicht zur Ruhe. Meiner Mama war immer noch oft schlecht und wenn ihre Mama dann zu den Sachen zum Essen wollte, dann hat meine Mama immer gesagt "Ich kann das nicht sehen oder riechen, dann wird mir schlecht." und ihre Mama meinte, "Man könnte denken, Du bist schwanger!". Aber meine Mama hat nichts verraten. An diesen Tagen wusste nur meine Mama und ich, dass es mich gibt. Sie hätte es ganz sicher meinem Papa verraten, aber der war ja noch in Amerika.

Und dann war Weihnachten - was auch immer das ist. Jedenfalls muss es was ganz Tolles sein bei den vielen Sachen, die wir eingekauft haben. Sogar einen Baum hat die Mama gekauft und ich wüsste gern, warum. Und dann waren wir jedenfalls auf dem Weg zum Flughafen, um meinen Papa abzuholen. Meine Oma sollte Tante Dörte und Onkel Oli abholen und dann wollten wir alle Weihnachten feiern. Mal sehen, wie das ist.

Am Flughafen mussten wir ganz lange warten. Dann endlich war das Flugzeug gelandet und mein Papa, meine Tante und mein Onkel waren wieder da. Das war eine Freude. Obwohl ich sie noch nicht so gut kannte, aber die Stimmen hatte ich doch wieder erkannt.

Meine Mama und mein Papa sind dann zum Auto gegangen und dann ging es zu Tante Dörte und Onkel Oli nach Hause. Unterwegs gab meine Mama meinem Papa ein kleines Geschenk. Der hat sich etwas gewundert und hat gemeint, es gibt doch erst nachher Weihnachtsgeschenke und doch nicht im Auto. Aber dies war eine ganz besondere Überraschung für meinen Papa und als Papa das Geschenk ausgepackt hatte, hielt er einen kleinen Kinderwagen aus Kristall mit silbernen Rädern und einem silbernen Lenker in der Hand. Das war eine gelungene Überraschung und wie ich es mir vorgestellt hatte, mein Papa hat sich ganz furchtbar gefreut, meine Mama ganz fest in den Arm genommen und beide haben mich dann gestreichelt. Das war wunderschön.

Dann haben wir endlich Weihnachten gefeiert. Mama und Papa, Tante Dörte und Oli und meine Oma. Es gab etwas zu essen und alle waren ganz fröhlich, und dann gab es Weihnachtsgeschenke. Ich weiß zwar immer noch nicht was "Geschenke" sind, aber mein Papa hat ja eines bekommen und sich ganz doll gefreut, dann sind Geschenke sicher was ganz Tolles. Ich hab nicht so viel mitbekommen, weil die alle durcheinander geredet haben, aber plötzlich war es ganz still. Meine Oma hatte ein Geschenk ausgepackt und war ganz still. Sie sagte immer nur "Oh, das ist aber schön.", und als sie das noch ein paar mal gesagt hatte, hat Papa dann gesagt "Soll ich Dir helfen und Dir zeigen, was ich bekommen habe?". Dann hat er den Kinderwagen gezeigt und nun war alles klar. Alle haben sich ganz doll gefreut, meiner Mama und meinem Papa gratuliert und sich in den Arm genommen. Meine Oma hatte übrigens einen kleinen Schnuller aus Kristall und Silber bekommen.

Das war ein schöner Tag aber ich war dann doch froh als meine Mama endlich ins Bett ging - so konnte ich auch endlich mal ohne Störungen schlafen.

Der nächste Tag war auch wieder sehr aufregend. Da ging es nämlich zur Mama von meinem Papa und zu seinen Geschwistern (was immer das ist). Ich glaube, Mama und Papa ärgern gern die Leute. Der Mama von meinem Papa, übrigens noch eine Oma von mir, haben sie auch etwas geschenkt und die wusste nicht, was sie da in der Hand hält. Wieder hat mein Papa mit seinem Geschenk "geholfen" und wieder haben sich aller sehr gefreut, gratuliert und sich umarmt.

Es ist richtig schön, dass sich so viele Leute schon über mich freuen, obwohl sie mich noch gar nicht kennen.

Am nächsten Tag - es war immer noch Weihnachten, sind wir dann zu einem Brunch gegangen. Meine Mama und mein Papa wurden von Onkel Oli, Tante Dörte, meiner Oma und noch von anderen Leuten erwartet. Das war vielleicht komisch da, keiner hat von mir erzählt. Ich weiß wirklich nicht warum meine Mama den anderen Leuten nichts erzählt hat, die klangen richtig nett, alle waren lustig, haben viel gegessen, aber von mir wurde nicht gesprochen. Echt komisch fand ich das.

Den Nachmittag haben wir dann zu Hause verbracht. Weihnachten (was wirklich lange dauert) hat mir bisher ganz gut gefallen. Mama und Papa sitzen auf dem Sofa und erzählen sich von mir. Es ist schön zu wissen, dass sie sich so freuen. Obwohl es ja noch einige Zeit dauert, bis sie mich richtig sehen können und obwohl sie noch gar nicht wissen was ich werde (Junge oder Mädchen) - sie freuen sich einfach, dass sie ein Baby haben werden, und das tut mir so richtig gut. Ich freue mich auch, sie haben so liebe Stimmen und jetzt streicheln sie mich auch immer. Das wird schön, wenn ich dann endlich da bin.

Hoppla, hallo, was ist denn das? Meine Mama gibt so komische Geräusche von sich und immer, wenn sie diese komischen Geräusche macht, dann werde ich in ihrem Bauch hin und her geworfen. Mein Papa ist ganz besorgt und meint, dass meine Mama aber einen schrecklichen Husten hat. Und sie hat damit einfach nicht aufgehört, das ging den ganzen Tag und oft auch in der Nacht. Ich muss sagen, das finde ich gar nicht lustig. Immer wenn ich mich so schön hingekuschelt habe geht es wieder los und ich plumpse aus meiner schönen Ecke. Ruhe zu bekommen ist überhaupt nicht einfach und ich finde das richtig blöd.

Meine Mama soll ja zu einem Arzt, wobei mir keiner erklärt, was das ist, aber es soll wohl irgendwie helfen. Aber zur Zeit geht das nicht -  "zwischen den Jahren" - wobei ich das auch nicht verstehe. Und so gehen die komischen Geräusche, die Husten sind, weiter und ich komme nicht viel zur Ruhe. Aber meine Mama auch nicht und deswegen tut sie mir auch richtig leid.

Silvester - was für komische Sachen es alles gibt. Jedenfalls fahren wir mal wieder zur Tante Dörte und Onkel Oli und meine Oma ist auch da. Eigentlich sind ja alle ganz lustig, nur meine Mama nicht so richtig. Sie hat immer noch den Husten und wenn der ganz lange geht, dann wird mir in ihrem Bauch ganz schwummerig von dem ewigen hin und her. Wieder gibt es tolle Sachen zu essen und es wird viel erzählt. Auch von mir wird gesprochen und davon, dass meine Mama zum Arzt gehen will wegen ihrem Husten und auch zum Frauenarzt, denn wenn man ein Baby im Bauch hat darf man nicht einfach Medizin nehmen. Da muss man ganz genau aufpassen, denn ich bekomme die Medizin ja auch ab und ich hab überhaupt keinen Husten.

Nach dem Essen haben alle noch ganz lange auf dem Sofa gesessen und haben erzählt und gelacht, auch von mir wurde gesprochen, das habe ich ganz genau gehört, von den anderen Sachen habe ich nichts verstanden. Es wurde immer später, aber keiner ging ins Bett. Auch meine Mama nicht, obwohl die ganz doll müde war. Und dann passierte etwas. Onkel Oli holte Gläser, Mama und Papa haben darüber diskutiert ob meine Mama auch etwas trinken darf (komisch, sonst darf sie einfach was trinken ohne den Papa zu fragen). Jedenfalls darf sie, na mal sehn, warum die da so einen Aufstand gemacht haben. Und dann haben alle plötzlich Prost Neujahr gesagt, mit den Gläsern angestoßen, was ich übrigens schön fand, es hat so hell geklungen, haben sich umarmt, geküsst (na klar weiß ich schon, was das ist, machen Mama und Papa doch andauernd) und dann durften wohl alle trinken. Und Mama trank auch, nur einen kleinen Schluck, aber das hat gereicht. Das hat vielleicht geprickelt, so etwas gab es davor noch nie und ganz ehrlich, ich brauch das auch nicht noch mal. Vielleicht jedoch später, denn den anderen hat das Spaß gemacht.

Papa und Onkel Oli wollten auf die Straße (dabei war das draußen saumäßig kalt) sie wollten Knaller loslassen (was das wohl wieder ist?). Tante Dörte und Oma zogen sich dicke Jacken an, nahmen eine Flasche mit dem Prickelzeug und gingen auch runter. Meine Mama wollte nicht. Sie hat eh gefroren, war müde und außerdem wäre das nicht gut bei dem Husten (hat Papa gesagt, aber das hätte er gar nicht sagen brauchen, meine Mama wollte ja sowieso nicht). Wir sind auf dem Sofa geblieben, draußen hat man ganz viel Krach gehört, meine Mama hat mich, bzw. ihren Bauch gestreichelt und das fand ich viel schöner.

Der nächste Tag war denn das Neue Jahr, der 01. Januar 2004. Ein ganz besonderes Jahr, denn in diesem Jahr werde ich geboren werden. Das wird sicher ganz aufregend, endlich Mama und Papa zu sehen und natürlich auch die anderen alle, aber auf Mama und Papa freue ich mich schon sehr.

Und wie es Tradition ist (so habe ich das gehört) geht es heute zum Sauerkrautessen zu meiner Oma. Ich weiß gar nicht, ob ich Sauerkraut mag, aber mich fragt ja keiner. Aber da meine Mama ganz sicher nicht nur Sauerkraut isst, werde ich schon nicht hungern. Bisher war ich eigentlich ganz zufrieden. Mal sehn was das heute wird. Also, es gab nicht nur Sauerkraut - was ich gar nicht so schlecht finde - sondern auch Kartoffeln und Fleisch. Fleisch mag ich besonders gern. Das mit dem Sauerkraut hätte vielleicht nicht sein müssen, aber ich hab ja hier nichts zu melden und muss nehmen, was ich bekomme.

Meine Mama hat immer noch den blöden Husten, ich werde immer noch hin und her geworfen und bin froh, dass es bei mir so schön gepolstert ist mit dem vielen Wasser. Sonst könnte ich mich ja auch vielleicht irgendwo stoßen und das wäre nicht so schön.

Am nächsten Tag ging dann meine Mama endlich zum Arzt. Ihr Husten war allein nicht besser geworden und nun sollte ein Arzt hier helfen. Sie musste zu einem Frauenarzt, weil der ganz genau weiß, was eine Mama mit einem Baby im Bauch an Medikamenten nehmen darf. Gegen Mittag musste meine Mama dann noch ins Krankenhaus zu einem Ultraschall (ich weiß zwar nicht, was das ist, aber es hört sich interessant an). Im Krankenhaus wurde meine Mama ganz genau untersucht und ich wurde fotografiert. Ja, ihr hört richtig, am 02.01.04 um 14.45 Uhr entstand das erste Foto von mir und da hat er Arzt auch errechnet, wann ich geboren werden soll. Er meint ich "komme" am 26.07.04. Na, mal sehn, da habe ich ja schließlich auch noch ein Wörtchen mitzureden, oder?

Nun sollte meine Mama Medizin einnehmen und mir war schon richtig gruselig zumute. Aber so schlimm wurde es dann doch nicht, nur geschmeckt hat mir das überhaupt nicht. Ich hatte gehofft, wenn meine Mama endlich Medizin nimmt, dann hört der Husten auf und ich hab etwas mehr Ruhe im Bauch. Denkste, es wurde vielleicht ein ganz klein bisschen besser, aber richtig besser eben nicht.

Zwei Tage später sind wir wieder in das Krankenhaus gefahren und ich wurde wieder fotografiert. Ob ich etwas Besonderes bin? Oder werden alle ganz kleinen Babys im Bauch fotografiert? Diesmal hat der Arzt gemeint, ich werde am 31.07.04 geboren. Also, der hat überhaupt keine Ahnung. Babys suchen sich das nämlich selbst aus.

Aber das Foto muss ganz toll geworden sein. Das Foto hat auch dazu geführt, dass ich jetzt einen Namen habe! Meine Mama sagt, ich läge wie eine kleine Erdnuss - also Peanut - in ihrem Bauch und deswegen heiße ich jetzt Peanut. Na ja, ich kann also nicht beurteilen, ob das ein besonders schöner Name ist, aber meiner Mama und meinem Papa scheint er sehr zu gefallen. Sie erzählen jedenfalls allen Leuten davon und zeigen auch meine Fotos.

In den nächsten Tagen hat meine Mama ganz artig ihre Medizin genommen und der blöde Husten hat dann auch langsam aufgehört. Bald war sie fast wieder gesund und ist dann auch wieder zur Arbeit gegangen. Das war lustig - jeden morgen und auch am Abend sind wir Auto gefahren. Dazwischen war es nicht so spannend, meine Mama saß fast immer nur so rum, hat telefoniert und etwas geschrieben, aber das war auch eine gute Zeit um zu schlafen und zu wachsen.

Inzwischen wissen ganz viele Leute, dass ich im Bauch meiner Mama bin und da wachse. Ich hatte das Gefühl, dass es ihr richtig Spaß macht, es all den Leuten zu erzählen. Die haben sich nämlich immer alle gefreut, was ich natürlich auch schön fand. Viele Leute haben meine Mama auch gefragt "Was wird es denn?" und dabei haben sie mich gemeint. Aber meine Mama wusste es gar nicht. Einmal beim Arzt, als der fragte, ob sie wissen will "was es ist", da hat sie nämlich gesagt "das ist nicht wichtig, Hauptsache es ist gesund".  Ich war ihr Peanut und das hat gereicht. Das fand ich ganz toll. Nicht, dass es ganz und gar egal war, nein, meine Mama und mein Papa haben halt immer nur von Peanut gesprochen und fanden das genug. Das hat mir gut gefallen. Dem Arzt hat das auch gut gefallen, er mag es nämlich gar nicht, wenn er jedes mal gefragt wird. Ich glaube dem Arzt ist ganz egal, ob da ein Junge oder ein Mädchen im Bauch der Mamas ist.

Ganz langsam bin ich immer größer geworden und ganz langsam konnte man es meiner Mama ansehen, dass sie ein Baby bekommt. Wir gehen jetzt jeden Monat einmal zum Arzt, der schaut dann nach ob ich auch richtig wachse, ob es mir gut geht und natürlich auch, ob es meiner Mama gut geht. Mein Papa war auch mal mitbekommen. Das fand ich auch ganz richtig so, denn auch wenn ich im Bauch meiner Mama bin und sie dann eine Mama wird wenn ich geboren bin, nein auch mein Papa wird Papa und da sollte er schon ganz genau wissen, was mit mir los ist.

Es ist schon komisch, jeder fragt meine Mama "Was ist es denn?" - damit meinen die mich und meine Mama sagt immer "Das wissen wir nicht" - auch blöd. Sie kann doch sagen "Das ist Peanut.", oder? Tante Dörte, Onkel Oli und die Mama meiner Mama haben es doch auch kapiert. Ich bin Peanut und basta!

Ich bin jetzt schon richtig groß - na, das finde ich jedenfalls und es geht uns so richtig gut. Meine Mama hat keinerlei Übelkeit mehr, ich wachse, meine Mama und mein Papa streicheln mich immer ganz toll - was könnte schöner sein. Im Bauch ist es herrlich warm, ich bekomme regelmäßig was Gutes zu essen, ich werde gestreichelt, man erzählt mir komische Sachen und ich kann ganz viel Purzelbäume machen, so groß ist mein Zimmer im Bauch meiner Mama. Was für ein herrliches Leben ich doch hab.

Nun ist wieder eine ganze Zeit vergangen, inzwischen war Ostern (aber da habe ich nicht kapiert, was das wohl ist) und irgendwie hab ich nicht mehr so viel Platz im Bauch meiner Mama. Wenn ich hier mal rumtobe, dann ist sie aber immer ganz entzückt und sagt zu meinem Papa "Fühl doch mal, Peanut bewegt sich.". Na, ist doch klar, ich hab doch keine Lust, den ganzen Tag nur lieb hier rum zu liegen. Und außerdem, wenn mein Zimmer größer wäre, dann würde Mama es gar nicht merken und könnte es Papa auch nicht petzen.

Aber es ist ganz komisch, Papa findet das ganz toll und legt immer seine große Hand auf Mamas Bauch wenn ich am Toben bin. Erst hab ich dann immer schnell aufgehört, doch dann war Papa richtig enttäuscht. Also, da mir keiner böse ist wenn ich so rumtobe, eher im Gegenteil, nun, dann kann ich ja so weiter machen und meinen Spaß haben.

Jetzt ist es so, dass mich meine Mama ganz oft am Tag spürt. Sie legt dann auch immer eine Hand auf ihren Bauch und streichelt mich wenn ich so rumtobe. Auch wenn Besuch da ist wie z.B. Onkel Oli, Tante Dörte, die Omas und wer da noch so alles kommt, alle dürfen mal fühlen, was ich so im Bauch meiner Mama mache. Alle finden das ganz lustig. Das ist schön so, denn anfangs hab ich mir deswegen schon Sorgen gemacht.

Die Zeit vergeht, ich werde immer größer, was auch der Arzt meiner Mama bestätigt. Der schaut immer mit dem Ultraschallgerät nach, was ich so mache und sagt es dann meiner Mama, die natürlich auch gucken kann und immer ganz erfreut ist. Na ja, sie sieht mich ja auch nur alle vier Wochen, so oft ist das ja auch nicht. Blöd ist nur, dass ich sie gar nicht sehen kann. Daran sollte noch gearbeitet werden. Es wäre doch nur fair, wenn ich die gleichen Möglichkeiten hätte, oder?

Inzwischen gehen wir drei, meine Mama, mein Papa und ich auch jede Woche zur Gymnastik. Das ist ganz lustig. Da sind ganz viele Babys im Bauch ihrer Mamas und von allen sind auch die Papas dabei. Jede Woche wird dort erzählt, was man alles bei der Geburt beachten soll, wie überhaupt Babys geboren werden, es werden Atemübungen und noch vieles anderes gemacht. Ich find das toll, das wir so einen Kurs besuchen. Da hat man Spaß, lernt viele Leute kennen und bereitet sich auch noch auf die Geburt vor. Irgendwie eine tolle Sache.

Meine Mama war einkaufen. Sie braucht jetzt andere Sachen wo auch ihr Bauch - was ja eigentlich ich bin - reinpasst. Außerdem macht sie ganz viel Pläne, wie mein Kinderzimmer aussehen soll. Sie wälzt Kataloge und beredet alles mit meinem Papa. Es ist richtig schön zu hören und auch zu fühlen, wie meine Mama und mein Papa sich Gedanken um mich machen. Mein Zimmer soll ganz wunderschön werden und ich bin schon richtig gespannt darauf. Das Arbeitszimmer wird nämlich mein Zimmer und das Arbeitszimmer muss dann umziehen in den Keller. Am nächsten Wochenende kommen Tante Dörte und Oma und dann soll es losgehen.

Puh, das war ein anstrengendes Wochenende. Wenn auch meine Mama und ich nicht viel helfen konnten (man hat uns aber auch einfach nicht gelassen) so mussten wir doch oft die Treppen rauf und runter. Erst wurde der Kellerraum ausgeleert, dann wurde da ein neuer Fußboden verlegt und dann war mein zukünftiges Zimmer endlich leer. Ich muss gestehen, dass mich das Arbeitszimmer nicht so sehr interessiert hat, aber bei meinem Zimmer, da wollte ich schon aufpassen was dort so geschieht. Also, Tante Dörte, meine Oma und mein Papa haben das prima gemacht. Mama und ich haben aufgepasst, wie sie die Decke und die Wände gestrichen haben. Wir durften nicht so oft während der Malerarbeiten ins Zimmer wegen des Farbgeruchs, also mich hat das nicht gestört, aber es soll halt nicht gut sein und da meine Mama sehr auf uns achtet, haben wir nur manchmal schnell einen Blick riskiert.

Am nächsten Tag durften wir dann auch mehr ins Zimmer und da haben meine Mama und Tante Dörte ganz viele schöne Figuren um die Fenster und Türrahmen gemacht. Das war wohl sehr lustig, denn die beiden haben immer nur gelacht. Schade, dass ich da nicht aktiv mitmachen konnte.

Nun ist die Zeit gekommen, wo meine Mama nicht mehr arbeiten muss. Ich bin jetzt natürlich noch größer geworden und meine Mama hat einen ganz dicken Bauch. Jetzt können wir morgens schön lange im Bett bleiben, ausschlafen und den Tag genießen. Das tun wir auch ein paar Tage, doch dann fällt meiner Mama ein, dass sie ja noch so einiges zu erledigen hat. Am nächsten Tag treffen wir, meine Mama und ich, uns mit Tante Dörte und der Oma in der Stadt um für mich einzukaufen. Das ist sicher so etwas wie damals mit den Geschenken zu Weihnachten, das wird sicher ganz lustig und so freue ich mich darauf.

Na ja, lustig - ich weiß nicht. Meine Mama ist andauernd mit mir rumgelaufen. Ich weiß gar nicht was die alles gekauft haben. Ich bin doch nicht so groß das man deswegen stundenlang durch so viele Geschäfte laufen muss. Denkt denn keiner an mich?  Für mich ist das nämlich auch anstrengend. Ich hab halt auch nicht mehr so viel Platz in Mamas Bauch und obwohl ich schon versuche durch ganz viel treten mehr Platz zu schaffen, es klappt einfach nicht. Das engt mich ganz schön ein und ich weiß nicht, wie lange ich das noch so mitmache. Blöd ist nur, dass ich ja hier weiß, was ich habe und so, aber was ist wenn ich "geboren" bin? Das hat mir noch keiner erzählt. Schön, ich habe ein Zimmer, aber wie groß ist das? Und überhaupt die Malerarbeiten, es hat schon ein wenig komisch gerochen, hier riecht es ganz anders. Aber ich mag den Geruch, die Wärme und den Bauch meiner Mama. Also, die müssen mir schon etwas viel besseres bieten, bevor ich das, was ich jetzt habe, aufgebe.

Heute ist Freitag, Wochenende, ja ich weiß schon was ein Wochenende ist, da ist mein Papa nämlich ganz viel zu Hause. Da werde ich immer ganz viel von Papa gestreichelt. Heute hat der Papa der Mama gesagt, dass morgen Leute kommen. Er hat ihr nicht gesagt, wer kommt und warum jemand kommt. Das wird sicher eine komische Sache.

Und so haben Mama und Papa an einem Samstag aufgeräumt und geputzt. Das gefällt mir gar nicht. Mama läuft dann immer so viel hin und her und hat fast keine Zeit mich zu streicheln. Ich mag es viel lieber, wenn Mama mit mir auf dem Sofa sitzt, mich streichelt und mir erzählt, wie es später, wenn ich geboren bin, wird. Aber dafür ist heute keine Zeit.

Tja, und dann ging es los. Zuerst kamen Tante Dörte und die Mama meiner Mama. Sie haben ganz viele Sachen mitgebracht und alles in die Küche getragen. Und dann haben sie Mama erzählt, das es heute eine Babyparty gibt. Was ist denn das? Welches Baby hat hier eine Party? Haben Papa und Mama noch ein Baby was ich bisher noch gar nicht kenne? Nein, die Aufregung war umsonst. Es ist eine Babyparty für mich!!! Auch wenn ich noch überhaupt nicht weiß, was das ist, ich freu mich trotzdem. Und dann hat es andauernd geklingelt. Ganz viele Leute sind gekommen und Mama hat sich ganz doll gefreut. Alle Leute haben Mama umarmt und haben ihr Babysachen geschenkt.

Alle saßen an dem großen Esstisch, es gab Kaffee und Kuchen und Mama hat so nach und nach die vielen Geschenke ausgepackt. Alle haben nur von mir geredet und Mama hat auch ganz viel von mir erzählt. Bald waren so viele Leute da, das sie nicht mehr alle an den Esstisch passten. Viele haben auch draußen auf der Terrasse gesessen.

Ich hab gespürt, dass meine Mama sich über die vielen Leute gefreut hat. Da Tante Dörte und die Mama meiner Mama alles mitgebracht hatten, hatte meine Mama auch gar keine Arbeit mit der ganzen Sache. Abends wurde dann noch gegrillt, es gab Fleisch, Fisch und Salate und auch mir hat der Tag ganz toll gefallen. Es gab sogar Leute die noch gar nicht wussten, dass meine Mama ein Baby in ihrem Bauch hat. Da gab es natürlich viel zu erzählen.

Also, ich muss euch sagen, langsam wird es hier ziemlich eng bei meiner Mama im Bauch. Es stimmt auch sonst irgend etwas nicht. Mama ging es heute nicht gut, sie musste sich übergeben und mir geht es auch nicht so wirklich gut. Und das, wo der Papa heute Geburtstag hat. Wenn ich auch nicht ganz genau weiß, was das ist, aber es muss mit seiner Geburt etwas zu tun haben. Warum heißt es sonst Geburtstag?

Ich hab mal gedacht, dass ein Geburtstag etwas besonderes ist, aber es wurde nicht gefeiert, Mama und ich lagen im Bett. Mama war so schlecht und mir auch. Auch die nächsten Tage ging es uns nicht viel besser. Na ja, am Vormittag schon, auch manchmal noch am Nachmittag, aber abends da war es gar nicht gut. Mama muss sich übergeben und ihr ist ganz doll schlecht. Mir geht es auch nicht so toll und ich bin froh, wenn Mama dann mit mir ins Bett geht.

Am Sonntag wollte mein Papa dann endlich seinen Geburtstag feiern. Also, das beruhigt mich, dann ist es also doch so, dass der Geburtstag ein besonderer Tag ist. Tante Dörte, Onkel Oli und die Oma wollten kommen und darauf freue ich mich auch. Aber dann kam es doch wieder anders, Mama ging es nicht gut, mir auch nicht und wir lagen mal wieder im Bett. Papa war schon arg traurig und auch besorgt und so wurde es dann wohl auch keine richtige Feier (jedenfalls nicht so wie Weihnachten oder Silvester). Ganz spät am Abend ging es uns dann richtig schlecht und Papa wollte mit der Mama eigentlich ins Krankenhaus fahren. Aber Mama möchte morgen lieber erst mal zu ihrem Arzt. Sie haben dann noch meine Oma angerufen, ob sie Mama zum Arzt fahren kann. Mama wollte einfach nicht selbst Auto fahren.

Ganz früh ist dann auch die Oma gekommen. Uns ging es gar nicht gut, Mama hat geweint und gesagt "Ich versteh' das nicht, ich hatte doch bisher eine so schöne Schwangerschaft.". Das hat mir gut getan, denn ich denke der Mama geht es nur so schlecht, weil ich in ihrem Bauch bin. Ich glaube, mir geht es einfach nur schlecht, weil es der Mama schlecht geht. Das ist sicher nicht so schlimm.

Zuerst ging es zum Frauenarzt. Der hat heute aber nicht viel untersucht. Sein Ultraschallgerät hat er auch nicht benutzt. Mama ging es so schlecht, da wollte er Mama wohl nicht noch länger untersuchen. Als Mama sagte, dass sie sich immer übergeben muss, wenn sie etwas isst, wollte der Arzt nur wissen wie es ist, wenn sie etwas trinkt. Er war zufrieden, dass das Trinken im Bauch bleibt. Also, das fand ich blöd, ich hätte schon gern mal wieder was Schönes gegessen, aber mich fragt ja keiner. Sie haben dann noch den Blutdruck gemessen, weil Mama eigentlich noch zu einem anderen Arzt wollte und der Frauenarzt abklären wollte, ob das nötig ist. Mama soll sich ja ausruhen und nicht so hin und her hetzen. Aber dann war der Blutdruck nicht in Ordnung und so ging es noch zu dem anderen Arzt.

Da hat meine Mama dann ein Medikament bekommen, damit es ihr besser gehen soll. Anschließend mussten wir wegen dem Daumen meiner Mama noch zu einem weiteren Arzt. Da ging es zum Glück ganz schnell. Danach haben sich Mama und meine Oma draußen auf einem großen Platz in Bad Homburg an einen Tisch gesetzt. Sie waren ganz schön erschöpft und ich hab mich auch über die Ruhepause gefreut. Mama wollte dann unbedingt eine Eisschokolade haben und die war dann auch richtig toll. Man konnte richtig spüren, wie es Mama immer besser ging, und das hat mir auch gut getan.

Aber das war auch nur von kurzer Dauer. Am Abend ging es ihr dann wieder schlechter. Am nächsten Tag ging es so weiter. Am Abend als Papa dann endlich da war, ging es uns überhaupt nicht gut. Mama musste nun auch das Trinken ausbrechen und das war überhaupt nicht lustig. Ich hab ganz doll gestrampelt, denn ich hatte Hunger und Mama hat gesagt "Wenn du nicht bald damit aufhörst, dann lass ich dich rausschneiden.". Was sie wohl damit gemeint hat? Ich wollte doch nur etwas essen und trinken. Mir ist nämlich auch schlecht und das kommt sicher daher, weil Mama nicht richtig essen und trinken kann. Da muss man sich doch mal melden dürfen, oder? Also, Mama geht es richtig schlecht und Papa möchte sie eigentlich ins Krankenhaus bringen (das ist da wo man die schönen Fotos macht). Aber Mama will nicht, sie will erst zu ihrem Frauenarzt.

Und da sind wir auch am nächsten Tag hingefahren. Der hat Mama gründlich untersucht und dann gesagt, dass sie sofort ins Krankenhaus fahren soll. Eigentlich wollte Mama noch mal nach Hause, ihre Tasche holen, aber der Arzt hat gesagt, dass sie jetzt gleich ins Krankenhaus fahren soll. Und so ist es auch geschehen.

Tja, und dann ging alles ganz schnell. Dort im Krankenhaus haben sie wohl schon auf uns gewartet. Papa musste so ein Formular ausfüllen und Mama weinte, weil der Arzt etwas von einem Kaiserschnitt sagte. Und dann wurde Mama auf so einen Tisch gelegt, vorher hatten sie Mama beim Ausziehen geholfen (dabei kann Mama das sonst ganz alleine) und dann, obwohl ich eigentlich ganz wach war, muss ich wohl ganz kurz geschlafen haben. Ganz plötzlich spürte ich etwas auf meiner Haut, etwas zog an mir, es wurde alles ganz hell um mich herum, laut, kalt und dann hab ich zum ersten Mal meine Stimme gehört.

Wau, das war also ein Kaiserschnitt. Ich war überhaupt nicht darauf vorbereitet, Mamas Bauch zu verlassen. Aber nun war es geschehen. Es ist hell, viele Stimmen die ich gar nicht kenne, Papas Stimme und jemand der ihm sagt, dass ich ein Junge bin. Wo ist Mamas Stimme? Warum höre ich die nicht? Papa hat mich im Arm, was für ein schönes Gefühl. Ich kann Papa riechen, spüren, hören... Und als Papa mir sagt, dass Mama in Ordnung ist und nun aber ein wenig schlafen muss, da kuschele ich mich ganz glücklich in seinen Arm.

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